KB-Weltcup Asien, Update 1, 2 und 3

Drei Rekruten der Spitzensport-RS und ein Wahl-Kalifornier (Nico van Duin, Eric van Dooren, Alex Liess und Dominik Meichtry) starten bei den Stationen des Kurzbahn-Weltcups in Singapur und Japan. SCAS-Coach Tobias Gross ist als Trainer dabei und führt für uns ein Logbuch.

Di 12.10.10
Bei der Ankunft in Singapur um 6 Uhr am Morgen wurden wir ausserhalb des Flughafens von einem Volunteer, 95% Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 25 Grad empfangen.  Im Hotel waren unsere Zimmer so früh natürlich nicht bereit und auch die gewünschte Anzahl war nicht korrekt reserviert. Mit etwas Bestimmtheit und den Strapazen einer Reise von total 15h im Gesicht wurde das Problem aber schnell behoben. Zum Hotel kann gesagt werden, dass das „Royal“ den Namen vielleicht vor 30 Jahren verdient hatte.

Ziel dieser Reise soll sein, trotz Zeitverschiebung und ungewohnten Konditionen in diversen Bereichen, auf höchstem Niveau zu racen und Bestzeiten zu schwimmen. Dazu gehört auch, in einem mässigen Hotel zu schlafen und zu essen.

Im Toa Payoh Sportkomplex absolvierten wir am Nachmittag unser erstes Training. Die Anlage verfügt über  drei 50m Pools à 8 Bahnen:

– ein Pool zum Planschen und für die Schwimmschule

– ein Pool für die schwimmende Öffentlichkeit

– ein Pool nur für die Schwimmclubs sowie für Schwimmwettkämpfe.

Wenn’s das nur auch in der Schweiz gäbe…

Anschliessend nahmen wir dann so gegen 21 Uhr den ersten Battle mit dem Jetlag auf.

Mi 13.10.10
Die meisten von uns haben den Kampf mit dem Jetlag (aber nur nach Punkten) gewonnen und der Tag wurde mit zwei Trainings und etwas Sightseeing verbracht.

Mit uns im Bad waren diesmal auch eine kleine Gruppe Australier und Kanadier sowie ein Schwimer aus Südafrika. Alle waren vorzeitig aus Delhi, wo die Commonwealth Games bis vor kurzem stattfanden, geflüchtet. Die Geschichten, die sie zu erzählen hatten, lassen einem die Haare zu Berge stehen… Kleines Beispiel: Am letzten Finalabend war der Pool so grün, dass man keine zwei Meter weit sah und fast alle langsamer als am Morgen schwammen.

Heute haben wir sehr schnell gelernt, trotz Hitze und Feuchtigkeit immer einen Pulli dabei zu haben. Aus irgendeinem mir unbekannten Grund sind nämlich alle Taxis, Hotels, Shoppingzenter etc. auf max. 20 Grad runter gekühlt. Es besteht also immer das Risiko, sich auf Grund der wechselnden Bedingungen einen Schnupfen zu holen.

Do 14.10.10
Komischerweise haben letzte Nacht die meisten von uns den Jetlag-Fight verloren.

Unser Team hatte sich in der Nacht heimlich vergrössert: Dominik Meichtry und seine Freundin Jessica Hardy sind aus L.A. angekommen. Sie hatten das Glück, dass sie direkt ins offizielle Wettkampf-Hotel, welches um Klassen besser ist als das Royal, einziehen konnten. Wir trainierten morgens zum ersten Mal im offiziellen Wettkampfbecken der Singapore Sports School auf der 25m Bahn.

Apropos kleines Becken: Auch hier finden sich zwei 50 m Pools neben einander, die nur der Singapore Sports School, einigen Clubs sowie dem nationalen Schwimmverband zugänglich sind. Die Organisation scheint zwar perfekt, enttäuscht aber immer wieder. Neben Problemen mit den Hotels ist der Shuttlebus-Fahrplan zur ausserhalb liegenden Wettkampfanlage schlecht bis gar nicht an die Trainingszeiten angepasst.

Fr 15.10.10

Der 2. offizieller Trainingstag in S’pore war für uns Start der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung mit leichtem individuellem Traning. Im Auftrag von Swiss Swimming schaute ich einige Hotel- und Poolanlagen in Singapore an, um eine Trainingsmöglichkeit für das Precamp „Shanghai 2011“ zu finden. Die nette Dame vom Singapore Sports Council hat mir während gut 3 Stunden mehrere Pools und Hotels gezeigt, die zur Auswahl stehen. Natürlich müssen wir uns mit den eher kleineren und unbekannteren Anlagen (v.a. bei den Pools) begnügen, da Mannschaften wie die USA oder Australien ganze Anlagen für sich blockieren. Am Nachmittag stand für mich das „Officials Meeting“ auf dem Programm. Im Vergleich zu dem ist unsere Mannschaftsführersitzung mit H.U.S. hundert Mal speditiver!

Nach der abendlichen kurzen Teamsitzung haben sich die Jungs ans Shaven gemacht und sind hoffentlich früh zu Bett gegangen.

Sa 16.10.10

Alle Zweifel der vergangenen Tage betreffend Klima und Zeitumstellung waren an diesem Morgen verschwunden.

Höhepunkt eines erfolgreichen Tages war der Sieg von Dominik Meichtry über 400 m Crawl in Badehosenbestzeit von 3:44,32 min. Alex Liess schwamm Schweizer Rekord über200 m Delfin in 1:57,76 min. und auch Nico van Duin und Eric van Dooren überzeugten mit Bestzeiten.

Dieser eher schwach besetzte Weltcup ist ein grosse Chance für unsere Teilnehmer, die die sich bietenden Chancen auf Finalplätze nutzen und sich dort zu steigern vermögen.

So 17.10.10

2. Wettkampftag in Singapur. Die Schwimmer zogen es durch, erreichten die Finals und schwammen PBs. Schönes Kuriosum aus Schweizer Sicht: Auf Grund der kleinen Teilnehmerzahl schwammen die Favoriten über 100m Delfin ihren Vorlauf ruhig und kontrolliert. Nico hingegen schwamm PB. Das führte dazu, dass er den Final auf Bahn 4 zwischen Steffen Deibler und dem Schwimm-Urgestein Lars Frölander in Angriff nehmen konnte. An seiner Stelle würde ich dieses Blatt der Startliste zu Hause einrahmen…

Touristischer Exkurs

Am Abend vor dem Weiterflug nach Tokyo machten wir uns noch auf zum Swissôtel und hinauf auf den 72 Stock. Dort oben gibts eine tolle Bar mit fantastischer Aussicht über die ganze Stadt! Wer jemals ein paar Tage in Singapur verbringt, sollte sich diesen Drink bei der entsprechenden Aussicht nicht entgehen lassen. Grad gegenüber ist übrigens das Raffles Hotel mit der Long Bar. Es ist eines der geschichtsträchtigsten Gebäude der Insel. In der Bar wurde der Legende nach der Cocktail Singapore Sling erfunden.

Last but not least hab ich die Ehre herzliche Grüsse von Ivan Petrov (dem Bruder von SCAS-Coach Arpad Petrov) in die Schweiz zu schicken. Er ist neu Trainer in Phuket und geniesst die tolle Zeit an Becken und Strand.

Mo 18.10.10

To make a long story short: Aus 7 Stunden Flug von Singapur nach Tokyo wurde eine Tagesreise. Da wir erst um 19:30 Uhr im Hotel waren, reichte es nicht mehr für ein Training. Deshalb gingen wir etwas in einem Quartier spazieren, in dem es nicht viel zu sehen gab.

Di 19.10.10

Einziger Trainingstag in Tokyo. Der Busservice funktioniert hier perfekt. Obwohl das Bad nur ca. 20 Gehminuten vom Hotel liegt, fährt ganztags 3-4 pro Stunde ein Bus. Die Sportanlage kompensiert die Enge der Hotelzimmer. Das Tokyo Tatsumi International Swimming Center ist eine riesige Schwimmhalle mit zwei 50m Becken und einem grossen Sprungbecken. Aber irgendwie scheint das ja wohl in anderen Ländern normal zu sein.

Für den World Cup wurde der grössere der beiden Pools in 2 Becken à 25m und 10 Bahnen unterteilt. Die Anlage hat zudem eine grosse Tribüne, wobei diese für VIPs und zahlende Zuschauer reserviert ist.

Der Ausblick auf morgen lässt einen deutlichen Niveauanstieg erwarten. Zwar werden kaum neue „internationale“ Schwimmer zum WC dazustossen, dafür wartet das Gastland Japan mit gemeldeten 410 Athleten und 332 Officials auf.

Da unsere vier Schwimmer wieder das gleiche Programm wie in Singapur schwimmen, soll aus gemachten „Fehlern“ gelernt werden und entsprechend schneller als in Singapur geschwommen werden.

Mi 20.10.10

1. Wettkampftag in Tokyo. Anhand der Startliste war schon klar: Für die Finalplätze müssen die Jungs PB oder sogar eine deutliche PB schwimmen (abgesehen von Dominik). Die Gastgeber legten los wie die Feuerwehr und so reichte es nur Dom zu einem Start am Abend, wo er ein sehr gutes 400 m-Rennen zeigte und knapp geschlagen Rang 2 belegte.

Fazit und Erkenntnis aus meiner Sicht: die Japaner haben eine unglaubliche Schwimmkultur im eigenen Land und eine mir bis hierhin unbekannte Breite an starken SchwimmerInnen. S sind uns vom Block, aus der Wand und unter Wasser um Längen überlegen. Unsere Jungs verloren regelmässig 1-2m bei der Wende…

Do 21.10.10

Letzter Wettkampftag unserer Asienreise. Ziel war es, mit einem positiven Signal abzuschliessen und mit durchwegs guten Erinnerungen die Reise heim anzutreten. Dies gelang den Jungs ziemlich gut; für den Final konnte sich aber auch heute nur Dom qualifizieren. So machten wir uns über Mittag auf den Weg in die Stadt (genauer „Elektronic City“), um die begehrten Seiko-Stoppuhren aufzuspüren. Wir fanden sie dann im (gefühlten) 15. Laden. Mit mir unterwegs war der Gerd Esser der Trainer der Deutschen Mannschaft – auch er musste für Trainerkollegen welche besorgen.

Der Finalabend wurde auch heute wieder sehr unterhaltsam: Es fielen einige japanische Rekorde und Dom versuchte über 200m Crawl sein Glück von vorne weg – genannt „The Swiss Kamikaze“. Leider reichte die Kraft nicht ganz bis ins Ziel und es resultierte ein 6. Platz.

Nach dem Abendessen gingen die Athleten zusammen aus und ich mit ein paar Trainerlegenden einen heben. Mit von der Partie waren Tom Johnson, Olympiastützpunkttrainer in Vancouver und Vorsitzender der Canadischen Trainervereinigung, Greg Salter, australisches Urgestein und neu Nationaltrainer in Schweden sowie Carl Jenner, der das Schwedische Wunderkind Sarah Sjöström coacht. Wir waren also eine lustige Runde und die Herren wussten die eine oder andere Anekdote zu erzählen. Wir sprachen aber auch über Schwimmpolitik. So hat Schweden noch keine Trainervereinigung und ich konnte den Herren ein bisschen von unseren Erfahrungen
berichten. Zudem hat Tom vorgeschlagen, dass wir dafür sorgen, dass alle SCAS-Mitglieder automatisch Mitglieder der World Swimming Coaches Association werden. Diese befindet sich immer noch in einem heissen Kampf mit der FINA. Dazu schalten wir auf unserer Website einen Extra-Artikel.

Abschluss

Das war es mit der Berichterstattung von einer aufwändigen und erlebnisreichen Wettkampf-Weltreise zu zwei sehr unterschiedlichen Weltcup-Veranstaltungen. In Singapur war das Niveau für einen Weltcup sehr tief, so wie bei zahlreichen Wettkämpfen im Europäischen Ausland und ähnlich dem heimischen IMU in Uster. In Japan hingegen konnten sich unsere Schwimmer in der Flut an Topp-Schwimmern des Gastlandes mit Ausnahme von Dominik nur knapp behaupten.

SCAS dankt Tobias Gross für die spannenden und regelmässigen Tagebucheinträge!

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