Behindertensport: Schwimmweltmeisterschaften Eindhoven

Die Schwimmweltmeisterschaften der Behinderten fanden vom 15.8 bis zum 21.8 in Eindhoven, Niederlande statt. Es nahmen 658 Schwimmerinnen und Schwimmer aus 55 Nationen teil. Für die Schweiz war die blinde Chantal Cavin am Start.

Im Behindertensport sind ähnliche Tendenzen wie bei den Nichtbehinderten zu sehen: Einige Nationen fallen durch grosse Teams und grosse Budgets auf und bringen starke Leistungen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer genau da mehr Konkurrenz aus kleineren Schwimmnationen, wo sich Zellen bilden und Sportler in einem übersichtlichen, aber professionellen Rahmen trainieren können.

Teams

Bei den grossen und stark auftretenden Teams fallen hier folgende Nationen auf:

Grossbritannien hat ein ambitioniertes Programm zur Vorbereitung der Paralympics, die im Anschluss an die Olympischen Spiele in London veranstaltet werden, laufen. Eien ganze Generation Schwimmer ist in den vergangenen Jahren aufgebaut worden und schwimmt jetzt sehr erfolgreich.

Aus der Ukraine kommt wieder eine starke Mannschaft, die vor allem durch ihre technisch saubere Ausbildung im schwimmerischen und athletischen Bereich ins Auge sticht.

Brasilien schwimmt mit grossem Team und umfangreichem Betreuerstab einen guten Wettkampf. Sie bauen jetzt bereits für das Jahr 2016 auf, wenn die Paralympics in Rio stattfinden werden.

Auch China ist sehr präsent, auch wenn dieses Programm offensichtlich nach erfolgreichem Abschluss der letzten Paralympics in Peking deutlich zurückgeschraubt wird. Auffällig ist in diesem Team ein verändertes Auftreten: Straffe Disziplin mit genauer Kleiderordnung, An- und Abreise in Gruppen usw. scheinen in China auf dem Rückzug zu sein. Das Team wirkt unhomogen und im Umbruch.

Erfolgreiche Nationen im Überblick

1 UKR – Ukraine
2 USA – United States of America
3 RUS – Russian Federation
4 GBR – Great Britain
5 BRA – Brazil
6 AUS – Australia
7 CHN – People’s Republic of China
8 MEX – Mexico
9 CAN – Canada
10 ESP – Spain

Chantal Cavin gewann für die Schweiz eine Bronzemedaille über 400 m Freistil in PB.

Tendenzen

Vor einigen Monaten wurden im internationen Behinderten-Schwimmsport einige Regeländerungen vorgenommen. Die Schwimmregeln entsprechen jetzt weitgehend denen der Fina. Schwimmer, die keine zwei Hände haben, können beim Brust und Delfin natürlich nicht mit beiden Händen anschlagen.

Immer mehr Nationen führen eine systematische Wettkampfanalyse ihrer Sportler durch. In Eindhoven konnte das auch als Dienstleistung der holländischen Firma Swimwatch gekauft werden. Viele Nationen waren auch mit eigenen Sportwissenschaftlern vor Ort, die systematisch in die Programme eingebunden sind und den Trainern zuarbeiten.

Im Behindertenschwimmen finden sich vielfältige Varianten, da die Sportler mit ihren Trainern, abhängig von der jeweiligen Behinderung, Speziallösungen für verschiedene Bewegungselemente entwickeln müssen. Besonders auffällig ist das bei schwerbehinderten Athleten, und auch atemberaubend bei Sportlern ohne Arme, die in unglaublicher Perfektion mit Delfin-Wellenbewegungen durchs Wasser schiessen.

International Paralympic Comitee

Im Unterschied zu den Weltmeisterschaften der Nichtbehinderten werden diese Behinderten-Weltmeisterschaften nicht von einem Schwimmsportverband, sondern vom International Paralympic Comitee (IPC) veranstaltet. Diese Dachorganisation sollte eigentlich für die Paralympische Bewegung und die Paralympics stehen, hat sich aber das Hoheitsrecht über einige paralympische Kernsportarten, darunter auch das Schwimmen, gesichert. Leider hat das zur Folge, dass man bei diesen Meisterschaften häufig das Gefühl haben kann, dass es nicht um den Schwimmsport, sondern um Macht und Positionen von geltungssüchtigen Funktionären geht,, die im Vorfeld willkürlich Regeln festlegen, ändern und während einer Veranstaltung dann auch noch je nach Tagesform auslegen. Eine Mitsprachemöglichkeit der Nationen gibt es dabei ausdrücklich nicht . – Mich wundert es, dass eine solch durch und durch undemokratische Struktur für einen Sportverband überhaupt zulässig ist. Nicht verwunderlich ist, dass sich von Seiten einiger grosser Schwimmnationen massiver Widerstand formiert. Die Sportart Schwimmen im internationalen Behindertenschwimmsport sollte von Fachpersonen des Behindertensports Schwimmen weiter entwickelt werden.

Zum Abschluss der WM fand das IPC Swimming Forum statt. Aus Sicht unserer Trainer-Vereinigung interessant war, dass es zukünftig im IPC eine Trainer-Kommisson geben wird und dass ein Trainer Einsitz in die Sportkommission nehmen wird. Ebenfalls interssant ist, dass dort auch bis jetzt die Trainer nicht vertreten waren. Wir sind also auf dem richtigen Weg.

Ein vereinfachtes Anmeldeverfahren für Wettkämpfe beim IPC soll zukünftig dafür sorgen, dass bei „normalen“ Wettkämpfen von Behindertensportlern erzielte Leistungen ins Worldranking aufgenommen werden und als Quali-Zeiten zählen. Der entsrechende Vorschlag wurde von der Schweiz eingebracht.

Schweiz

Die Schweiz ist mit einer Schwimmerin vertreten, die seit Jahren auf internationalem Topp-Niveau schwimmt. Momentan ist lediglich eine Nachwuchssportlerin auf dem Weg, Anschlussleistungen zu erbringen. Das ist wenig. Eine Schlüsselposition, daran etwas zu verbessern, kommt den Schwimmclubs und den Trainern zu. Bei uns sollte es möglich sein, besonders die Behindertensportler mit eher geringfügigen Behinderungen integrativ in den Vereinsgruppen auszubilden. Sportler, denen einzelne Gliedmassen fehlen oder die sehbehindert sind, gehören in die „normalen“ Trainingsgruppen und können eine paralympische Perspektive erhalten. Zur Illustration: Der Brasilianer Andre Brasil ist an einem Bein gelähmt und gewann hier die 100 m Freistil in 0:50,87 min (Langbahn).

Talentsuche

Fallen Euch in Eurem Club Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler mit einer Körper- oder Sehbehinderung auf oder erhaltet Ihr entsprechende Anfragen, oder hat eine von Euch betreute Sportlerin/Sportler in Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung eine Körper- oder Sehbehinderung, so könnt Ihr Euch über den Behindertensportverband Plusport ( www.plusport.ch ) informieren. Ansprechperson für allgemeine Infos zum Leistungssport ist Christof Baer ( baer(at)plusport.ch). In schwimmspezifischen Fragen erhaltet Ihr dort auf Anfrage ein umfassendes Gratis-Coaching durch den Nationaltrainer. Ausserdem gibt es die Schwimmvereinigung der Behinderten ( www.sschvb.ch/neu/index.html ), die gemeinsame Trainings organisiert und besonders Einsteigern mit Rat und Tat zur Seite steht.

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