Junioren-Europameisterschaften, Helsinki

Die JEM fand vom 14.7 bis zum 18.7 in Helsinki, Finnland statt. Svetlana Foursova war als Trainerin für das Schweizer Team dabei. Nachfolgend hat sie einige Eindrücke und Beobachtungen zusammengestellt.

JEM-Teilnehmer, sortiert in vier Kategorien

1. Auffallend guter Körperbau – mit mässiger Technik

2. Nicht besonders gut gebaut, dafür mit hervorragender Technik

3. Nicht besonders gut gebaut, aber wahnsinnig gut trainiert (haben sicher über 2.500 km in dieser Saison hinter sich gelassen)

4. Ausnahme-Athleten (vor allem im Sprint): körperlich reif, ausserordentliches Wassergefühl, harmonische und saubere Technik

Beobachtungen am Bassinrand

Allgemein gab es beim Einschwimmen oder im Trainingsbecken nicht viele „Finessen“ zu sehen, also nicht viele interessante technische Übungen oder eine bestimmte Art des Übens. Es war eher das Standard-Menü. Das ist ein deutlicher Unterschied zu KBEM oder WM, wo einfach reifere Athleten teilnehmen.

Die JEM-Schwimmer sind weniger raffiniert im Üben und absolvieren meist ein Pflichtprogramm.

Zum technischen Niveau: Über die Hälfte der Teilnehmer der längeren Strecken erschienen mir allgemein noch sehr unreif. Bei den Sprintdisziplinen sah das anders aus.

Ausnahme-Athleten

  • „Der vielleicht bald neue Stern an Frankreichs Schwimmhimmel“(Swim&More, 7/2010, DSV) – Yannick Agnel (FRA) mit zwei JEM-Rekorden:  400 m Free 3:46.60 (-1,57)  und 200 m Free 1:46.58 (-0,44)
  • Gleich drei „Sprint-Goldhasen“ aus der Ukraine:

Andriy Govorov, 1. 50 m Fly 23.57 (-0,06) mit JEM Rekord ; 1. 50 m Free 22,54

Daryna Zevina, 1. 100 m Back 1.02,05 und  2. 50 m Back 29,12

Nadiya Koba (Jg. 1995!), 1. 50 m Free 25,46 (vor Silke Lippok 25,71); 1. 50 m Fly 27,13

  • Silke Lippok, 1. 200m Cr 2.00,11 und 1. 100m Cr 55,31

Luxemburg: Stark mit nur zwei Athleten, Raphael Stacchiotti 1. 200 m VL 2.02,52 (wiederholte seinen Erfolg vom letzten Jahr) und 2. 400 m VL; Sarah Rolko 7. 100 m Back

Türkei: 2 Medaillen für Ediz Yildirimer (Jg. 1993!) – 1. 800Cr 8.03,17 und 3. 1500Cr

Dänemark: Gleich 4 Mädels für 400Cr am Start und 2. Platz für Amalie Emma Thomsen 4.14,61; hervorragende Leistung der 2 Schwimmerinnen auf 1500Cr (Ränge 4 und 11); Respekt für die Langstrecklerinnen!

Grossbritannien: Sie wurden Dritte im Medaillenspiegel und sammelten 15 Medaillen. Frankreich kam mit 17 Medaillen auf die höchste Anzahl, bestes Team war die Ukraine mit sieben Goldmedaillen. Es ist deutlich zu sehen, wie ernst und gezielt sich die Briten für 2012 vorbereiten. Die Mädchen sind auffallend fit an Land und sehr beweglich. Sie machen gründliches Einwärmen, Dehnen und Krafttraining vor jedem Schwimmtraining.

Frankreich, 4x100Cr Herren: Alle vier „Musketiere“ zeichnen sich durch einen extremen Beinschlag aus – enorme Frequenz & Kraft und extrem hohe Lage. Eine sehr starke und deutliche Stosswelle war zu sehen, was zu einer hervorragenden Körperlage „auf“ der Wasseroberfläche führt, so dass  ½ des Gesässes über Wasser war. (1.Yannick Agnel 49,08; 4. Mehdy Metella 49,99). Den gleichen Beinschlag macht übrigens auch Silke Lippok.

Russland (39 Schwimmer): Sie hatten eine ganz neue, andere Generation dabei – Sehr teamfreudig und patriotisch war dieses Team sehr präsent auf den Tribunen. Sie haben den ganzen Wettkampf über mit Fahnen und Plakaten vorne gestanden und geschrieen. Abends im Hotel sind sie nach draussen gegangen (nur die Schwimmer, ohne Aufpasser), haben sich im Kreis aufgestellt und mit voller Freude die russischen Hymne laut gesungen, aber wirklich mit Spass! Voll cool. Die Apotheose dann am Sonntag am Ende des Wettkampfs: Die Jungs haben die Franzosen über 4x100VL geschlagen und gewonnen.

Schweiz – klein aber fein: Das Betreuerteam bestand aus Teamchef Adrian Andermatt, Massimo Baroffio und mir. Adrian hat sich gut als Kameramann geschlagen und alle Rennen gefilmt, so dass Massimo und ich uns mit Stoppuhren, Pfeifen und diversen Betreuungsaktivitäten beschäftigt haben. Die Schwimmer konnten dann eigene Rennen je nach Bedarf und Notwendigkeit anschauen. Massimo hat alle Aufnahmen der Tessin-Gruppe mitgenommen und Andrei Ichoutov hat sie für die Heimtrainer der Schwimmer aus der Deutschschweiz, Dirk Thölking und Dieter Sofka, kopiert.

Unsere Schwimmer kann ich für ihr sehr professionelles Benehmen und die gute Einstellung loben. Sie hatten ein gutes Zeitmanagement, waren immer „on time“ (eher zu früh), konzentriert  und haben sich nicht ablenken oder stören lassen. Aufwärmen mit Ruhe und Zeit, ausführliches Ausschwimmen, fröhlich, aufgestellt, motiviert – Das hat mir gefallen und ist eine wichtige Grundlage, den nun anstehenden Schritt aufs nächste Level vollziehen zu können!

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