Wege zum Erfolg in der Schweiz

Etienne Dagon, Dano Halsall, das „Schwimmwunder“ der Trainingsgruppe in Uster, Flavia Rigamonti, Flori Lang, Dominik Meichtry, Patrizia Humplik und jüngst Swann Oberson – Die Schweiz ist mit ihrer geringen Anzahl Wettkampfschwimmer langjährig betrachtet international mit einzelnen Medaillengewinnern immer wieder erfolgreich. Faktoren, die dafür sorgen, sollten erhalten und gestärkt werden. Lest dazu den Kommentar von SCAS-Präsident Martin Salmingkeit.

Eine sehr kleine Gruppe Spitzenschwimmer produziert immer wieder einmal Weltklasseleistungen und in Einzelfällen von Zeit zu Zeit auch internationale Medaillen.

Wovon sind diese Erfolge primär abhängig?

– ganzjährige Trainingsmöglichkeiten in geheizten Schwimmbädern

– ambitionierte Trainer und geeignete Schwimmer als funktionierendes Gespann

Die Liste liesse sich endlos mit nützlichen Dingen verlängern. Doch immer wieder hat sich gezeigt, dass in der Schweiz gerade in eher beschränkten Verhältnissen mit auf den ersten Blick stark limitierten Möglichkeiten besondere Dynamiken entstanden, aus denen dann starke schwimmerische Einzelleistungen resultierten. Europarekordlerin Flavia Rigamonti trainierte jahrelang in einem Hotelschwimmbad, welches in Eigenleistung auf 25 m Bahnlänge erweitert wurde. Patrizia Humplik gründete gemeinsam mit der blinden Spitzenschwimmerin Chantal Cavin eine private Trainingsgruppe und beide gewannen internationale Medaillen. Weltmeisterin Swann Oberson wurde von Jean Lagier in einem Vorortclub in Genf aufgebaut.

Dieses „Erfolgsgeheimnis“ ist unter Beschuss und damit in Gefahr.

Platz in den Schwimmbädern ist knapp und hart umkämpft. Die Gebühren für Bahnmiete bringen Schwimmclubs in Existenznöte. Der Schwimmverband tut sich schwer, in diesem Bereich unterstützend tätig zu werden. Öffentliche Neubauprojekte für Schwimmhallen gibt es immer wieder, gebaut wird nach ausschweifender Diskussion dann allerdings nicht. In der Stadt Bern besipielsweise scheint gerade das dritte solche Projekt in Folge zu kippen. Nationale Fördergelder für den Schwimmbadbau bleiben ungenutzt.  Da erstaunt es, dass das privat lancierte und damit aussichtsreiche Projekt einer 50 m Halle in Savosa nicht einmal die nützliche ideelle Unterstützung von Seiten des Verbandes findet, obschon dort bereits eine 25 m Halle privat realisiert wurde, in der der Leistungssport Schwimmen massiv gefördert wird!

Seit einigen Jahren scheint mehr öffentliches Geld in den Schwimmsport zu fliessen als je zuvor. Dieses wird vom Schwimmverband verteilt und auch üppig selber ausgegeben. Dabei wird ein Führungsanspruch formuliert und auf dem Papier eine Zentralisierung der Spitzenathleten vorangetrieben. Das dabei gebetsmühlenartig gegenüber Clubs, Nachwuchsathleten und Eltern wiederholte Mantra lautet: „Wenn ihr was werden wollt, kommt ins nationale Leistungszentrum (NLZ) oder geht ins Ausland!“ Swiss Olympic und BASPO applaudieren ihrem Vorzeige-Verband, ohne hinter die Fassade zu blicken. Diese Aussage ist unverständlich und fatal. Sie führt dazu, genau jene Dynamik im Ansatz abzuwürgen, die der Schweiz ihre Medaillen gebracht hat und das ganze Gefüge des Club- und Nachwuchssports motiviert und am Leben hält: Ambitionierte Trainer und geeignete Schwimmer, die an sich glauben, sich zusammen „hochschaukeln“, lokal ihr Unterstützungssystem etablieren und Stufe für Stufe hocharbeiten.

Ein NLZ in der Schweiz gibt es bereits seit 10 Jahren und zahlreiche Athleten verschiedener Generationen trainierten dort. Auswertungen dazu gibt es nicht. Die internationalen Medaillengewinner dieses Zeitraums aus der Schweiz waren nicht darunter.

Ironie der Geschichte: Das NLZ entstand 2003, weil Trainer Guennadi Touretski und sein Schwimmer Alexander Popov aus dem zentralistischen System Australiens ausstiegen und als autonome, kleine Zelle in Magglingen Zuflucht fanden. Popov wurde so 2003 Weltmeister!

Die wenigen Stärken unserer kleinen Schwimm-Gemeinschaft sind nicht nur schützenswert, sondern könnten mit geringem Aufwand gestützt werden. Das wäre effizient und konsensfähig. Das Grundlagen- und Aufbautraining können auch unsere grössten Talente an vielen Orten und in verschiedenen Clubs durchlaufen. Dass es nach wie vor keinen Nationaltrainer, keinen Verbandstrainerrat, kein exklusives und ergänzendes Programm für Kaderathleten und keine Nationalmannschaft gibt, ist sehr bedauerlich.

Dennoch steht der Wunsch nach einer offenen, die ganze Schwimmschweiz umfassenden Sicht, welche die wenigen geeigneten Sportler und ihr Umfeld positiv bestärkt und unterstützt, unverändert im Raum. Das beides zusammen wäre zu leisten! Der Lohn wäre ein intaktes Gefüge im Schweizer Schwimmsport und wahrscheinlich weiterhin ab und zu eine internationale Medaille.

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